Universitätsarchiv:Gründung des Thünen-Archivs

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Universitätsarchiv -> Thünen-Archiv


Die Gründung des Thünen-Archivs ist eng mit dem Rostocker Professor für Staatswissenschaften, Richard Ehrenberg, verbunden. Um 1900 hatte dieser von der Existenz des Nachlasses erfahren und setzte nun alles daran, ihn für die Universität zu erwerben. Dazu nahm er Verbindung mit den Nachkommen auf. Nachdem er dem Enkel Thünens, Alexander von Thünen, seine Vorstellungen erläutert hatte, stimmte dieser dem Vorhaben zu, überließ aber die weiteren Übergabeverhandlungen Hermann Schumacher, einem Schüler Thünens und Herausgeber des bekannten Buches “Johann Heinrich von Thünen. Ein Forscherleben.” (Rostock, 1868) Dieser besaß zu diesem Zeitpunkt den größten Teil des handschriftlichen Nachlasses Thünens.

Zwischen Schumacher und Ehrenberg kam es in der Folge zu einem regen Briefwechsel. Am 2. November 1901 schrieb Schumacher endlich an Ehrenberg: “Deshalb bin ich nach reiflicher Überlegung zu der Ansicht gekommen, daß ihre Anregung, der Nachlaß sollte der Rostocker Universitätsbibliothek erhalten bleiben, mir den richtigen Weg weist.” Nur ein paar Tage später, am 8. November, fand die Übergabe des Nachlasses statt. Damit wurde allerdings der ministeriellen Zustimmung vorgegriffen, die erst am 9. Mai 1902 erfolgte, was die unterschiedlichen Gründungsdaten für das Thünen-Archiv in der Literatur erklärt.

Ehrenberg hatte die Übergabe beschleunigt, weil er wohl fürchtete, Schumacher könnte seine Meinung in letzter Minute noch ändern. Dessen Briefe lassen diesen Schluß jedenfalls zu. Wie so oft, ging es auch hier um Geld. Neben der Bedingung, daß der Nachlaß in dauernden Besitz der Universitätsbibliothek übergehen und allen interessierten Forschern zugänglich sein sollte, war die Zahlung eines angemessenen Preises Voraussetzung für die Übergabe des Nachlasses. Auf 1.000 Mark schätzte Schumacher den Wert und unterstrich dies mit der Bemerkung, ein Interessent hätte ihm für einen einzelnen im Forscherleben abgedruckten Brief schon allein 100 Mark gezahlt. Letztendlich gelang es Ehrenberg als Kaufpreis 300 Mark auszuhandeln - zum Vergleich: sein monatliches Gehalt als Professor betrug zu dieser Zeit 350 Mark.

Für den Nachlaß wurde eigens die Stiftung “Thünen-Archiv” ins Leben gerufen. Die Stiftungsurkunde ist im 2. Weltkrieg verloren gegangen, es existieren jedoch Abschriften. In der Urkunde heißt es, daß der Nachlaß unter dem Namen “Thünen-Archiv” vom Staatswissenschaftlichen Seminar “auf eine, des großen Nationalökonomen von Thünen würdige Weise aufbewahrt, geordnet, übersichtlich registriert und der wissenschaftlichen Benutzung bequem zugänglich gemacht wird.”

Der Assistent Ehrenbergs, Richard Passow, übernahm es, den Bestand erstmalig zu ordnen und zu verzeichnen. Das Geld dafür, weitere 300 Mark, wurde ihm vom Unterrichtsministerium zur Verfügung gestellt. Die damals geschaffene Struktur bildet auch heute noch die Ordnungsgrundlage des Archivs.