Universitätsarchiv:Entwicklung des Thünen-Archivs von 1945 - 1990

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1945 kam mit dem Ende des Krieges und der Schließung der Universität Rostock zunächst auch das Aus für die Thünen-Forschung. Während sich die Mitarbeiter des Thünen-Archivs um die aus Sicherheitsgründen ausgelagerten Bestände kümmerten, bemühte sich Asmus Petersen, der sich zu diesem Zeitpunkt in Schleswig-Holstein aufhielt, um die Gründung eine internationalen Thünen-Gesellschaft und eine Übersetzung des “Isolierten Staates” ins Englische, Französische und Russische.

Als 1946 die Universität Rostock wiedereröffnet wurde, nahm Petersen, der nie NSDAP-Mitglied gewesen war, das Angebot an, seinen alten Lehrstuhl wieder zu besetzen. Damit begann auch ein neuer Abschnitt der Thünen-Forschung, wenngleich materielle und personelle Ausstattung den Umfang von vor 1945 nie mehr erreichte. Die Ziele, insbesondere die Weiterentwicklung der Standorttheorie und die Gesamtausgabe, blieben - den neuen politischen Verhältnissen angepaßt - die gleichen, denn Petersen war von der grundlegenden und systemunabhängigen Wirksamkeit der Thünenschen Gesetze überzeugt. Vor allem diese Haltung brachte ihn in Konflikt mit Vertretern der marxistisch-leninistischen Ideologie.

Mit der Berufung von Alfred Lemmnitz im Jahre 1953 zum Professor für Politische Ökonomie an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät begann eine neue Qualität der Auseinandersetzung, die 1957 mit dem Weggang Petersens an das Institut für Grünland- und Moorforschung bei der Akademie der Landwirtschaften in Paulinenaue endete.

Danach führte das Thünen-Archiv nur noch eine Schattendasein. Die ideologisch motivierte Einstellung der Thünen-Forschung und wechselnde Zuständigkeiten führten dazu, daß das Archiv erneut in Vergessenheit geriet.

Ende der 1970er Jahre kam es im Zuge der Rückbesinnung auf das “nationale Kulturerbe” in der DDR zu einer vorsichtigen Annäherung an Thünen. Für Aufsehen sorgte das 1983 anläßlich des 200. Geburtstages von Thünen von der Universität Rostock veranstaltete Internationale Thünen-Symposium. Im Vorfeld und auch danach schlossen sich einige Projekte an, die sich mit Thünen beschäftigten: u.a. die kommentierte Neuausgabe des “Isolierten Staates” durch Hermann Lehmann und Lutz Werner, die allerdings erst 1990 erscheinen konnte. Zu groß war das Mißtrauen der SED-Funktionäre gegenüber dem “Junker” Thünen.