Universitätsarchiv:Bestand des Thünen-Archivs

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Der Bestand “Thünen-Archiv” im Universitätsarchiv umfaßt heute – ohne Bibliothek und Fotosammlung – etwa 12 laufende Meter, d.h. mehrere zehntausend Blätter. Im Laufe der Jahrzehnte wurde der ursprüngliche Bestand beträchtlich erweitert und besteht heute aus 15 Abteilungen:

Abteilung A enthält genealogische Angaben zur Familie Thünen, wie z.B. Auszüge aus Kirchenbüchern, aber auch Nachrufe und (posthume) Ehrungen Thünens.

In Abteilung B ist die umfangreiche Korrespondenz der Familie Thünen bis in die Generation der Urenkel Thünens zu finden. Dazu kommen noch Briefe von der Familie nahestehenden Personen, wie Thünens Lehrer Lucas Andreas Staudinger oder dem Vater des letzten Schülers und Biographen Thünens, Johann Ludwig Schumacher. Insgesamt sind etwa 6.000 Briefe vorhanden, davon knapp 400 von Johann Heinrich von Thünen selbst. Diese liegen allerdings zum größten Teil nur in geprüfter Abschrift vor, da seit 1946 eine Kiste mit Originalbriefen Thünens verschollen ist. Ob sie damals vernichtet oder durch die Rote Armee beschlagnahmt wurden, ist bis heute unklar. Bisher sind die Briefe nur wenig beachtet worden, obwohl sie eine Quelle von einzigartigem Rang darstellen.

Die recht kleine Abteilung C macht Angaben zum Vermögensstand Thünens.

Abteilung D enthält die bereits erwähnte Tellower Buchführung. Diese ist nicht nur aus agrar- und wirtschaftswissenschaftlicher, sondern auch aus sozialhistorischer Sicht höchst interessant. Thünen listet hier detailliert alle durchgeführten Arbeiten, die Einnahmen, die Ausgaben, die Erträge und das Inventar auf. So kann der interessierte Nutzer viel aus dem Alltag in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfahren.

Die Abteilungen E und F enthalten die Manuskripte und Aufzeichnungen von Thünens Hand. Auch hier gibt es noch viel zu entdecken. Dazu gehören u.a. die mehr als 1.000 Seiten umfassenden Entwürfe zum “Isolierten Staat” und die zahlreichen Notizen und Konspekte. Thünen setzte sich mit vielen Aspekten der Landwirtschaft auseinander: Bodenlehre, Bodenfruchtbarkeit, Be- und Entwässerung, Tier- und Pflanzenzucht, Anbautechniken und landwirtschaftliche Geräte. Auch dies fand in Form von Artikeln, Gutachten und Denkschriften seinen Niederschlag. Diese weitgehend unbekannten bzw. wieder in Vergessenheit geratenen Arbeiten haben zusammen etwa den gleichen Umfang, wie der “Isolierte Staat” und sind eine wahre Fundgrube für die Dogmen-, Sozial- und Landesgeschichte.

In Abteilung G finden sich die Unterlagen zur Verwaltung des Thünen- Archivs und zu den Thünen-Gesellschaften. Dieses Material ist nicht nur für die Geschichte des Thünen-Archivs interessant, sondern für die gesamte Thünen-Forschung und darüber hinaus. Sie dokumentieren die Entwicklung des Thünen-Archiv mit seinen Höhen und Tiefen von 1900 bis 1989.

Abteilung I enthält eine vom langjährigen Verwalter des Thünen-Archivs Hermann von Wenckstern, einem Urenkel Thünens, angelegte Sammlung von Daten zu Personen aus dem Umkreis der Familie Thünen und der Thünenforschung.

Abteilung K ist der Bibliothek zugeordnet und enthält die Veröffentlichungen Thünens.

Abteilung L enthält die Buchführungsunterlagen von Tellow nach dem Tode Thünens im Jahre 1850 bis zum Verkauf des Gutes 1896 durch den Enkel Alexander von Thünen, wenngleich nicht in so ausführlicher Form, wie zwischen 1810 und 1820.

Abteilung M enthält die Buchführungsunterlagen anderer Güter und wurde zusammen mit der Abteilung N, die Material zu landwirtschaftlichen Betriebs- und Arbeiterverhältnissen beinhaltet, durch Richard Ehrenberg dem Bestand hinzugefügt.

Abteilung O beschäftigt sich mit dem Thünenschen Hakenpflug, den Johann Heinrich von Thünen aus dem Mecklenburgischen Haken weiterentwickelt hatte. In den 1950er Jahren wurde dieser Pflug in einem Forschungsprogramm noch einmal auf seine aktuellen Einsatzmöglichkeiten hin überprüft.